Man mag bei dem Gedanken, Kunst über das Internet zu kaufen seine  Bedenken haben. Doch gemäss dem vierten Art-Trade-Report des britischen Spezialversicherers Hiscox gewinnt das Internet als Verkaufskanal für Kunst weiter an Fahrt. Mit einem Umsatz von CHF 4,18 Mia. im Jahr 2015 wurde gegenüber 2014 24% mehr online gekauft. Schaut man auf das Jahr 2013 zurück, als dieser Wert noch bei CHF 1,92 Mia lag und extrapoliert dieses Wachstum, so ist gemäss der Studie 2020 mit einem Umsatz von CHF 12,25 Mia zu rechnen.

 

Diesen Trend bestätigt auch der Handel. So geben reine Online-Auktionshäuser wie Auctionata und Paddle8 an, ihr Verkaufsvolumen seit 2015 verdoppelt zu haben. Die Plattform Invaluable, auf der man das Online-Angebot zahlreicher klassischer Auktionshäuser findet, verzeichnet 60% mehr Abschlüsse als letztes Jahr.

Hemmschwelle steigt ab CHF 10 000

Diese Zahlen mögen beeindrucken, doch in der Tiefe erweist sich der Trend nicht als revolutionär. Zum einen liegt der Anteil an Online-Käufern unter den 672 Befragten Kunstkäufern sowohl 2015 wie auch 2016 bei stabilen 49%. Zudem geben diese an, im Internet hauptsächlich Objekte im niedrigeren Preissegment zu kaufen. Lediglich für bildende Kunst und Uhren wird aktuell zwischen 1 000 und 5 000 Pfund ausgegeben. Bei Design und Dekoration sowie Schmuck und Antiquitäten liegen die Preise bei 100 bis 500 Pfund. Und für Wein, Briefmarken und Memorabilia wird nicht über 100 Pfund geboten. Das heisst nicht, dass es auch teurer sein darf, doch ist die Hemmschwelle für Objekte ab 5 000 Pfund bereits sehr hoch und für solche ab 50 000 Pfund, wo lediglich 3% der Befragten bildende Kunst, 1% Design und 2% Schmuck erwarben, traut man dem neuen Medium noch kaum.

 

Traditionelle Häuser auch online vorn

Ebenso ist eine Tendenz zum Angebot von traditionellen Kunstvermittlern auszumachen. So liegen in der Käufergunst auch online die alteingesessenen Auktionshäuser im oberen Bereich, was generell darauf schliessen lässt, dass im Offline-Markt aufgebautes Vertrauen und die Glaubwürdigkeit in Expertisen erfahrener Institute auch online als sichere Werte empfunden werden. Diese Hinweise korrespondieren mit den Angaben zur Kundenloyalität, wonach 53% der Befragten Kunstkäufer ihren zwei bis drei präferierten Plattformen treu bleiben. Hat man folglich einmal gute Erfahrungen mit einer Plattform gemacht, bleibt man dieser auch treu.

Online-Kunstmarkt:

Alter Wein in effizienteren Schläuchen

 

Erschienen in: Ensuite Nr. 166, Oktober 2016 / Von Philipp Koller

 

Ende Januar 2017 meldete das Online-Auktionshaus Auctionata Paddle8 überraschend Insolvenz an.  Raum Für Kommunikation hat bereits im September 2016 den Online-Auktionsmarkt analysiert und einem reinen Online-Modell für Kunst wenig Chancen zugeschrieben.

MANAGEMENT SUMMARY

 

Das Internet wird sich als Verkaufskanal für Kunst weiter etablieren und im Auktionswesen vermehrt das Telefon und Printkataloge ergänzen. In der Tendenz halten sich die Käufe im niedrigen Preissegment bis maximal CHF 10 000. Dabei stehen die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der Anbieter im Vordergrund. Bei einer jüngeren Sammlerschaft dürfen die Social Media in der Online-Strategie nicht vernachlässigt werden.

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Online ersetzt Telefongebot

Auch das grösste Schweizer Auktionshaus Koller Auktionen bietet seit 2009 einen live-bidding-stream an. So liegt nach Ansicht des Hauses der entscheidende Vorteil des Internets in der massiv breiteren Sichtbarkeit des Angebots. Dies ändere jedoch nichts daran, dass ein Kunstwerk durch Experten begutachtet, geschätzt und dessen Echtheit garantiert werden muss, damit es einen marktgerechten Preis erzielt. Der hohe Anteil an tiefpreisigen Objekten erklärt sich dadurch, dass für günstige Objekte früher Abbildungen und Beschreibungen in gedruckten Katalogen reichten, welche die Kunden dann oft nach Rücksprache ungesehen gekauft haben. In diesem Segment ersetzt das Internet die gedruckten Kataloge. Für teure Objekte ersetzt das Internet im Auktionshandel andererseits das Bieten per Telefon, gibt Koller Auktionen zur Auskunft.

 

Unzureichende Begutachtung

In Zukunft genauer zu beobachten wird das Verhalten der kommenden Sammlergeneration sein. Zwar sind es nach wie vor die über 60-Jährigen, welche am meisten Kunst über das Internet suchen, dort auch in den letzten 12 Monaten kauften und insbesondere über 10 000 Pfund ausgaben. Doch stieg gleichzeitig auch die Anzahl an 18- bis 35-Jährigen, die für ihren ersten Kunsterwerb überhaupt einen Online-Kanal nutzten. Zu den Hauptgründen, weshalb die Generation Y nicht online kaufen würde, zählen die Sorge um eine falsche Darstellung im Internet, um unzureichende Möglichkeiten der Begutachtung und um zu geringe Qualitätsangaben. Doch könnte diesen Bedenken mit Zustands-Berichten, Herkunftszertifikaten und einer Rückgabegarantie von 30 Tagen beizukommen sein. Wer diese Zielgruppe ferner erreichen will, muss sich auch mit den Sozialen Netzwerken auseinandersetzen. So verbringen von den befragten Jungen rund 70% über eine Stunde täglich darauf. Hier gibt wiederum die Mehrheit an, unter allen Social Media hauptsächlich über Facebook und Instagram mit Kunst in Kontakt zu kommen.

 

 

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